Weihnachten in Litauen: Weihnachtsbräuche, Weihnachtsessen, litauische Weihnachtsrezepte, Weihnachtsspezialitäten

Weihnachten in Litauen: Weihnachtsbräuche, Weihnachtsessen, litauische Weihnachtsrezepte

Weihnachtsbräuche in Litauen

Weihnachten in Litauen ist etwas ganz Besonderes für die Familie und noch ein tief religiöses, ja fast besinnliches Fest. Die Familie versammelt sich zum traditionellen Mahl, der Kucia. Und Kucia heißt nicht nur das Weihnachtsessen, sondern das Wort bezeichnet gleichzeitig auch ein typisches Weihnachtsgericht, das aus verschiedenen Getreidesorten hergestellt wird. Anschließend besucht man die Mitternachtsmesse und danach packt man zuhause die Geschenke aus, die der Weihnachtsmann - in Litauen heißt er Kaledu senis - dort für alle Familienmitglieder deponiert hat.

Weihnachtsessen in Litauen

Das Weihnachtsessen beginnt, sobald es dunkel wird und sich die ersten Sterne am Himmel zeigen. Der Tisch wird festlich mit einer weißen Decke geschmückt. Darunter wird Stroh gelegt. Stroh symbolisiert die Krippe, in der das neugeborene Christkind liegt, aber auch die Ahnen, die nach ihrem Tod auf Stroh liegen. Auf dem Tisch liegen rechteckige Oblaten, die schon vorher in der Kirche geweiht wurden und Brot in der Mitte. Darum herum sind 12 verschiedene fleischlose Speisen angeordnet. Fleischlos deshalb, weil der 24. Dezember eigentlich der letzte Fastentag der Adventszeit ist. Der Advent hat in Litauen noch großteils seine ursprüngliche Bedeutung als Fastenzeit behalten. Jede Speise symbolisiert entweder die 12 Apostel oder die 12 Monate des kommenden Jahres, in dem Wohlstand herrschen möge. Es gibt Fisch, meist Hecht oder Hering, Rote Bete-Suppe, Pilze, Äpfel, Nüsse Haferbrei und Kuciukai, Kekse aus Mehl, Wasser, Zucker und Mohn, die mit Mohnmilch zusammen gegessen werden. Auch süßer Haferbrei darf beim Kucia nicht fehlen sowie Kompott, das aus Trockenfrüchten gekocht wird. Dazu gibt es ein Getränk aus Moosbeeren.



Nach dem Essen werden die Strohhalme unter der Tischdecke hervorgezogen - hier kommt wieder das alte Heidentum zum Vorschein. Lange und dicke Halme symbolisieren Glück und ein langes Leben oder für Unverheiratete auch eine gute Partie im Neuen Jahr. Kurze, dünne Halme sind ein schlechtes Vorzeichen.

Ist im laufenden Jahr vielleicht ein Familienmitglied gestorben, so wird dafür ein Ehrenplatz freigehalten. Oft werden auch Bedürftige und Obdachlose zu diesem Weihnachtsessen eingeladen. Dafür soll der Familie dann das Glück im neuen Jahr gewogen bleiben.

Die Reste des Weihnachtsessen in der Heiligen Nacht bleiben auf dem Tisch stehen. Man glaubt, dass in der Heiligen Nacht die Seelen der Verstorbenen kommen und sich an den Resten laben. Erst am Morgen des 25. Dezembers wird der Tisch dann abgeräumt. Hier spürt man noch ganz deutlich, wie sehr alte heidnische und neuere religiöse Bräuche im Lauf der Zeit miteinander verschmolzen sind.

Am Weihnachtstag, dem 25. Dezember gibt es dann ein üppiges Essen mit reichlich Fleisch wie gekochter Schweinskopf, Schinken oder auch Spanferkel. Die Fastenzeit ist vorbei, alle sind fröhlich und vergnügt.

Litauische Weihnachtsrezepte

Rezept für Avizine kose - litauischen Haferbrei

Zutaten:

  • 1 Tasse Haferflocken
  • 1/2 Liter Wasser oder Milch
  • 2 EL Butter
  • 1 TL Zucker
  • Eine Prise Salz

Wasser oder Milch zum Kochen bringen, die Haferflocken einstreuen und unter Rühren bei kleiner Hitze kochen. Nach 10 Minuten Butter, Zucker und Salz hinzufügen. Gut umrühren, vom Herd nehmen und einige Minuten stehen lassen.

Rezept für Aguony pienas - litauische Mohnmilch

Zutaten:

  • 1 Tasse Mohnsamen
  • 1 Liter Wasser, abgekocht und abgekühlt
  • 1/2 Tasse Zucker

Mohnsamen in der Küchenmaschine oder mit dem Zauberstab pürieren und zu einer dicken Masse verarbeiten. Wasser und Zucker hinzufügen, alles gut verrühren. Zu den litauischen Weihnachtskeksen Kuciukai servieren.

Rezept für Kuciukai - litauische Weihnachtskekse

Zutaten:

  • 500 g Mehl
  • 1 Tasse Milch
  • 50 g Öl
  • 20 g Hefe
  • 2 EL Mohnsamen
  • 100 g Zucker
  • 1 Prise Salz

Hefe mit Zucker mischen und in der warmen Milch auflösen. Die Hälfte des Mehls zugeben und daraus einen Vorteig herstellen. Diesen etwa eine Stunde an einem warmen Platz gehen lassen. Dann den Teig gut rühren, restliches Mehl, Öl und die überbrühten Mohnsamen hinzufügen. Gut mischen und etwa 30 Min. kneten, mindestens aber so lange, bis der Teig nicht mehr an den Händen klebt. Nochmals eine Stunde gehen lassen. Dann den Teig zu 1cm dicken Würsten ausrollen und in gleich lange Stücke schneiden. Auf das Backblech legen und bei 160°C goldbraun backen. Dazu gibt es die im oben genannten Rezept vorgestellte Mohnmilch.


Quelle: Die drei Rezepte stammen aus dem Buch "Traditionelle litauische Rezepte", ISBN-Nr. 978-9955-23-106-6, Seiten 94, 117 und 110.

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