Weihnachten in Finnland: Weihnachtsbräuche, Weihnachtsessen, finnische Weihnachtsrezepte, Weihnachtsspezialitäten

Weihnachten in Finnland: Weihnachtsbräuche, Weihnachtsessen, finnische Weihnachtsrezepte

Weihnachtsbräuche in Finnland

Bereits in der Vorweihnachtszeit gibt es - ähnlich wie bei uns in Deutschland - auch die Weihnachtsfeiern. Man nennt sie Pikkujoulu, das bedeutet soviel wie "Kleine Weihnachten". Nicht nur Firmen veranstalten solche Feiern, sondern auch Schulen am letzten Tag vor den Weihnachtsferien. Dazu gehören musikalische Darbietungen, ein Krippenspiel oder ein lustiges Weihnachtsstück über den Weihnachtsmann. Der 6. Dezember ist in Finnland nicht dem Nikolaus gewidmet, wird aber trotzdem groß gefeiert. Denn der 6. Dezember ist ein finnischer Nationalfeiertag, der Jahrestag der Unabhängigkeit.

Natürlich gehört auch ein Weihnachtsbaum zum Fest dazu, der hübsch geschmückt wird, oft mit Ketten aus kleinen Landesflaggen. Eine traditionelle Weihnachtsdekoration ist auch das so genannte Himmeli, ein kompliziert herzustellendes pyramidenförmiges Mobile aus Stroh mit geometrischen Formen. Ungewohnt ist allerdings die Sitte, dass die Kerzen am Weihnachtsbaum bereits am Abend des 23. Dezembers, also schon einen Tag vor dem Heiligen Abend das erste Mal angezündet werden.

Eine alte Tradition ist auch das Backen eines Malzlaibes. Hierbei handelt es sich um ein süßes Brot, das man hauptsächlich zu Weihnachten bäckt. Der Malzlaib hat heidnische Ursprünge und wurde meistens auf den Bauernhofen hergestellt und hatte die ganze Weihnachtszeit über einen Ehrenplatz in der Stube. Nach dem 6. Januar wurde der Malzlaib weggeräumt in die Getreidekammer und blieb dort bis zum Frühjahr. Erst beim Frühlingsbeginn aß man dann dieses Brot und verfütterte auch etwas an das Vieh, sobald es auf die Weiden durfte. Dies sollte eine gute Getreideernte sichern und Kühe, die reichlich Milch geben.

Weihnachtssauna in Finnland

Die Sauna gehört für die Finnen zum Alltag - ganz besonders sogar an Weihnachten. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass der Brauch es will, sogar am 24. Dezember die Sauna zu besuchen. In alten Zeiten war die Sauna für die Finnen ein heiliger Ort, dort wurden schon mal Kinder zur Welt gebracht und die Toten gewaschen. Man glaubte einst auch, dass die Seelen der Verstorbenen am Heiligen Abend ebenfalls die Weihnachtssuna besuchen. Man stellt an Heiligabend auch Kerzen auf die Gräber der Verstorbenen und gedenkt ihrer an diesem Tag ganz besonders.


Weihnachtsfrieden

Am 24. Dezember wird um 12.00 Uhr in der ehemaligen Hauptstadt Turku der Weihnachtsfrieden vom Balkon des Brinkkala-Hauses ausgerufen. Diese Tradition hat sich fast ohne Unterbrechung seit dem Mittelalter in Turku erhalten. Auch wenn Finnen keine besonders eifrigen Kirchgänger sind, am 25. Dezember sind die Kirchen restlos gefüllt. Es gehört einfach dazu. Die Protestanten feiern die Weihnachtsmesse am 25. Dezember sogar ganz früh, morgens um 05.00 Uhr. Und früher war es noch üblich, im Schlitten zur Kirche zu fahren.

Weihnachtsgeschenke

Die Geschenke erhalten die finnischen Kinder vom Weihnachtsmann, die Bescherung findet am 24. Dezember nach dem Weihnachtsessen mit der ganzen Familie statt. Und da der Weihnachtsmann nicht alles selbt erledigen kann, hat er kleine Helferlein, die sogenannten Weihnachtswichtel. Sie sollen eine rote Zipfelmütze mit Schlittenglöckchen dran tragen und sind unsichtbar und man kann - so erzählt man es den kleinen Kindern - nur an den winzig kleinen Fußspuren draußen im Schnee erkennen, dass sie da waren. Sie prüfen schon vor Weihnachten, ob die Kinder artig sind oder nicht und dementsprechend gibt es dann auch die Geschenke. Diese werden in der Werkstatt im Korvatunturi hergestellt. Dieser Berg liegt im finnischen Teil Lapplands und ist die Heimat des Weihnachtsmannes und seiner Helferlein. Da es natürlich heute soviele Menschen gibt, kann der Weihnachtsmann nicht mehr persönlich jedes Haus besuchen und so wirft der Stressgeplagte einfach in voller Fahrt von seinem Schlitten aus die Geschenke vor die Haustür.

Die Finnen feiern Weihnachten - wie in Deutschland - am 25. und 26. Dezember. Wobei der erste Weihnachtsfeiertag eher ein ruhiger Familientag ist, der mit Besuchen von Verwandten und Familienangehörigen ausgefüllt ist. Der zweite Weihnachtsfeiertag am 26. Dezember ist der Tappani-Tag, finnisch für Stefanstag. Da geht man zum Tappani-Tanz, bevorzugt werden dort Tango oder Walzer getanzt und man trifft sich zu kleinen Parties mit Freunden. Am 6. Januar ist die Weihnachtszeit zu Ende. Das Fest der Heiligen Drei Könige wird an diesem Tag nicht gefeiert in Finnland, sondern ganz praktisch. Der Weihnachtsschmuck wird wieder weggeräumt, der Baum abdekoriert und nach draußen gestellt.

Weihnachtsessen in Finnland

Ein ganz wichtiges traditionelles Weihnachtsgebäck sind die finnischen Pfefferkuchen oder Weihnachtssterne, die mit Pflaumenmus gefüllt sind. Auf der weihnachtlichen Kaffeetafel dürfen außerdem folgende Spezialitäten nicht fehlen: Ein Früchtekuchen, Feiertags-Pulla, das sind kleine Hefezöpfe oder Kringel aus Hefeteig sowie Zimt-S, ein feines Gebäck in S-Form. Am 24. Dezember wird mittags nach alter Sitte der sogenannte Weihnachtsbrei gegessen. Dazu gibt es oft noch Pflaumenpudding mit Schlagsahne. Das ist ein ganz normaler süßer Reisbrei, in den eine ganze Mandel gerührt. wird. Nach altem Glauben wird demjenigen, der die Mandel im Brei findet, im neuen Jahr ein Wunsch erfüllt. Viele der finnischen Weihnachtslieder handeln sogar vom Weihnachtsbrei.

Am Abend des 24. Dezembers wird dann die Hauptmahlzeit eingenommen. Es wird soviel von allem gekocht, dass es für die ganzen Weihnachtsfeiertage reicht. Das Zentrum der Tafel wird aber immer der Weihnachtsschinken sein. Davon wird auch die nächsten Tage immer noch gegessen. Im Schnitt werden an Weihnachten in Finnland alljährlich etwa 600.000 Schinken verspeist. Traditionell wird er bereits am Tag vor Heiligabend vorbereitet und vor dem Braten mit einer würzigen Senfkruste überzogen. Dazu werden verschiedene Aufläufe gereicht, beispielsweise aus Steckrüben, Möhren, Kartoffeln oder auch Leber. Vorneweg gibt es klassisch einen Rosolli-Salat aus Salzheringen, Kartoffeln, Karotten, Rote Beete, Fleisch, Äpfel und eingelegten Gurken.


Finnische Weihnachtsrezepte

Rezept für finnische Pfefferkuchen

Zutaten - ergibt ca. 200 Stück

  • 300 g Margarine
  • 300 g Zucker
  • 3 Eier
  • 250 g Sirup
  • je 2 TL Zimt, Ingwer, gemahlene Nelken
  • 1 EL geriebene Pomeranzenschalen
  • 1 kg Mehl
  • 3 TL Soda (Natron oder Backpulver)

Zubereitung:

Sirup mit den Gewürzen aufkochen lassen, Margarine zugeben und umrühren, bis die Mischung abgekühlt ist. Eier mit Zucker schaumig rühren. Mit der Sirup-Gewürz-Mischung zuerst einen Teil des Mehls verrühren, in den die Soda gemischt ist, dann den Eischnee und das restliche Mehl. Teig nicht mehr kneten. Teig mit einer Folie bedecken und bis zum nächsten Tag kühl aufbewahren. Plätzchen ausstechen und schön braun backen.

Backtemperatur: 200° (Umluft 180°C), Backzeit: ca. 10 Minuten

Rezept für finnische Weihnachtssterne (Pflaumentaschen)

Zutaten:

  • 200 g Butter oder Margarine
  • 125 g Mehl
  • 0,1 l kaltes Wasser
  • 1 TL Weinessig
  • Für die Füllung: süßes Pflaumenmus

Zubereitung:

Alle Zutaten in eine Schüssel geben. (Das Fett muß weich sein.) Mit der Hand rasch zu einem Teig verarbeiten, ohne allzu stark zu kneten. Den Teig an einem kühlen Ort fest werden lassen. Auf einem bemehlten Brett ausrollen. Mehrfach zusammenfalten und wieder ausrollen. Wie Blätterteig behandeln. ½ cm dick ausrollen. 7 x 7 cm groβe Quadrate ausstechen. Die Ecken jedes Quadrats einschneiden. Etwas Pflaumenmus in die Mitte geben. Jede zweite Ecke zur Mitte hin einschlagen und so einen Stern formen. Mit geschlagenem Ei bestreichen. Bei 250°C hellbraun backen. Für Pflaumentaschen runde Plätzchen ausstechen, füllen und andrücken. Mit Ei bestreichen und backen wie oben.

Rezept-Quelle: Mit freundlicher Genehmigung der Botschaft von Finnland, Berlin

Rezept für Lanttulaatikko - finnischer Steckrübenauflauf

Zutaten:

  • 1 kg Steckrüben, in Stücke geschnitten
  • 2 EL Butter oder Margarine
  • 1 EL Weizenmehl
  • 2 Eier
  • 200 ml Milch oder Sahne
  • 1 TL Salz
  • 1 TL gemahlener weißer Pfeffer
  • 1 EL Zucker
  • Semmelbrösel, etwas Butter

Zubereitung:

Die Steckrüben in Salzwasser kochen, das Kochwasser abgießen. Die Steckrüben pürieren, Milch oder Sahne, Eier, Mehl, 1 EL Butter und die Gewürze hinzufügen, alles gut mischen. Die Mischung in eine gut gefettete Auflaufform geben, auf die Oberfläche Semmelbrösel und etwas Butter streuen. Im Ofen bei ca. 220°C etwa 1,5 Stunden backen.

Rezept für Joulukinkku - finnischer Weihnachtsschinken

Zutaten:

  • 6 kg Schweineschinken

  • Für die Salzlake:
  • 4 l Wasser
  • 200 g Zucker
  • 200 g Salz

  • Zum Braten:
  • 2-3 EL Senf
  • 2 EL Zucker
  • 2-3 EL Semmelbrösel
  • etwas Wasser

Zubereitung:

Die Salzlake wird gekocht und abgekühlt.

Der Schinken wird abgeschabt und die Schwarte kreuzförmig mit einem scharfen Messer eingeritzt. Dann wird die Salzlake über den Schinken gegossen und man lässt ihn darin etwa 2 Tage an einem kühlen Ort ziehen.

Den Schinken aus der Lake nehmen und abtrocknen. Bei einer Temperatur von ca. 125°C braten, bis das Bratenthermometer 77°C anzeigt. Den Schinken aus dem Ofen nehmen und aus der Schwarte schälen. Die Oberfläche mit einer Zucker-Senf-Misvhung einreiben, die Semmelbrösel darauf streuen.

Den Schinken für kurze Zeit bei 250°C in den Ofen schieben, um einen schöne Kruste zu bekommen. Zur Verzierung nimmt man Nelken, die einen angenehmen Duft verbreiten. Sie werden in den Schinken gesteckt, bevor er zum Überbacken in den Ofen geschoben wird. Wenn Sie kein Bratenthermometer zur Verfügung haben, rechnet man folgendermaßen: 6-8 kg benötigen etwa 6-7 Stunden, 4-6 kg etwa 4-6 Stunden und 2-4 kg etwa 3-4 Stunden im Ofen.

Der kalte Schinken wird mit Schinkenspießen garniert. Weiter kann man zur Garnierung Tomaten, Apfelsinen, Pflaumen, Petersilie und vieles andere verwenden.

Rezept für Rosolli - finnischer Weihnachts-Heringssalat

Zutaten:

  • 1 mittelgroßer Salzhering
  • 5 gekochte Kartoffeln
  • 5 gekochte Karotten
  • 4 gekochte Rote Bete
  • 2 Äpfel
  • 1 Gewürzgurke oder Salzgurke
  • 100 g kalter Braten oder Wurst in kleinen Würfeln
  • 1 kleine geriebene Zwiebel, weißer Pfeffer, Petersilie, Schnittlauch

  • Für die Marinade:
  • 100 ml Sahne
  • Zucker, Essig

Zubereitung:

Der Hering (eventuell gewässert) wird ausgenommen, gehäutet und entgrätet. Oder man verwendet einen fertig vorbereiteten Salzhering. Alle Zutaten werden in kleine Würfel geschnittzen, vermengt und gewürzt. Der Salt wird auf verschiedene Art garniert (nach Belieben mit Radieschen, Gurken, hartgekochten kleingehackten Eiern usw.).

Für die Sauce die Sahne halb steif schlagen, pikant abschmecken mit Zucker und Essig. Wer mag, kann die Sahne noch mit dem Saft der Roten Bete rot färben. Die Sahne-Sauce entweder unterheben oder separat zum Salat reichen und jeder mischt sich selbst.

Rezept-Quelle: Mit freundlicher Genehmigung der finnischen Seemannsmission, Hamburg aus "Traditionelle finnische Hausgerichte", ISBN-Nr. 3-9801591-8-3

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