Weihnachten in Estland, Weihnachtsbräuche in Estland, estnische Rezepte, estländische Weihnachtsessen

Weihnachten in Estland: Weihnachtsbräuche, Rezepte, Weihnachtsessen

Weihnachtsbräuche in Estland

Beim Weihnachtsfest in Estland vermischen sich alte heidnische mit religiösen Bräuchen. In alten Zeiten begann die Weihnachtszeit am St. Thomas-Tag, am 21. Dezember und endete am Dreikönigstag am 6. Januar. Weihnachten wird heute an vier Tagen gefeiert, am 24., 25., 26. und 27. Dezember. Das estnische Wort Jõulud für Weihnachten ist eng verwandt mit dem skandinavischen Wort Jul. Beide bezeichnen heute das Weihnachtsfest, ursprünglich standen beide Worte für die vorchristliche, heidnische Wintersonnenwende. Estland und Skandinavien sind die einzigen Regionen, in denen für das christliche Weihnachtsfest bis heute die alten heidnischen Bezeichnungen verwendet werden.

Jõulud fand immer zwischen dem 21. und 25. Dezember statt, man feierte den kürzesten Tag und die längste Nacht als Geburtstag der Sonne. Denn ab diesem Tag werden die Tage wieder länger. In der Weihnachtszeit wurden Schweine geschlachtet und Bier gebraut. Alle lauten Tätigkeiten waren verboten, die guten Geister dieser Zeit sollten nicht durch Lärm verärgert werden. In der Weihnachtsnacht ließ man dann die Reste des Weihnachtsessens auf dem Tisch übrig für die Ahnen und alle Verstorbenen. Denn man glaubte, dass in dieser Nacht die Verstorbenen zu Besuch kämen. Auch das Feuer im Kamin musste deshalb die ganze Nacht brennen. Ein schöner Brauch war es auch, an Heiligabend vor dem Kirchgang noch in die Sauna oder ins Dampfbad zu gehen. Ein Brauch, den man übrigens auch zur Sommersonnenwende pflegte. Die Kinder erhielten als Weihnachtsüberraschung noch vor dem Kirchgang am Heiligabend ihre ersten Geschenke, nämlich neue festliche Kleider und Schuhe.


Ein anderer alter Brauch - vermutlich mit heidnischen Wurzeln - ist es, Weihnachtsstroh ins Haus zu bringen. Heute assoziiert man damit das Stroh in der Krippe. Der Stroh-Brauch wurde erst in den 1970ern wieder neu belebt. Man flocht aus dem Stroh Weihnachtskronen, eine Sitte, die vermutlich bei den schwedisch sprechenden Teilen der Bevölkerung üblich war.

Wann der erste Weihnachtsbaum in Estland aufgestellt wurde, ist nicht ganz geklärt. Es heißt, dass die Gilde der Schwarzhäupter bereits im 15. Jahrhundert einen Baum aufgestellt haben soll in ihrem Gildehaus in Reval, dem heutigen Tallinn. Der heute übliche Weihnachtsbaum kam wohl erst etwa Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Balten-Deutschen nach Estland. Es sollte nach Möglichkeit eine Tanne sein, in waldarmen Gegenden aber auch einmal eine Kiefer. Geschmückt waren die Bäume ganz schlicht, mit einigen Süßigkeiten und kleinem Spielzeug. Kerzen kamen erst sehr viel später dazu.

Heute bringt der Weihnachtsmann für die Kinder die Geschenke am Heiligabend. Er kommt mit dem Schlitten aus Lappland angefahren. Den heiligen Nikolaus wie bei uns kennt man in Estland im allgemeinen nicht, auch nicht seinen Gedenktag, den 6. Dezember. In Estland heißt er ganz einfach Weihnachtsmann oder auf estnisch Jõuluvana oder Jõulumees. Natürlich hat der Weihnachtsmann auch seine Gehilfen, die Weihnachtswichtel, die Päkapikud. Sie schauen in der Vorweihnachtszeit durch die Fenster in die Wohnstuben um zu prüfen, ob die Kinder auch artig sind, denn davon hängen die Geschenke an Weihnachten ab. Heute sind die Päkapikud in vielen Familien eine Mischung aus Adventskalender und Weihnachtsmann. Sie bringen nachts Süßigkeiten ins dafür vorgesehene Säckchen, Schuh oder in den Adventskalender.

In der Sowjet-Zeit war Weihnachten verboten. Die Feiertage waren auf Silvester und Neujahr beschränkt. Trotzdem besuchte man an Weihnachten die Messe und - als friedlicher Protest gegen die Sowjets und ihre atheistische Ideologie - begann man, nach der Messe an den Gräbern der Verstorbenen Kerzen anzuzünden. Seit der Unabhängigkeit Estlands ist Weihnachten wieder ein richtiges religiöses Fest -natürlich mit Weihnachtsbaum, Weihnachtsmann und allem was dazu gehört. Es haben sich dann auch einige skandinavische Bräuche eingebürgert wie etwa das "kleine Weihnachten" oder "Vorweihnachten" in den ersten Dezemberwochen. Man trifft sich mit Freunden und Arbeitskollegen, oft am Arbeitsplatz, isst Lebkuchen und trinkt eine Art Glühwein, hergestellt aus Rotwein, Gewürzen, Rosinen und Nüssen.


Weihnachtsessen in Estland

An Heiligabend kam natürlich ein besonders üppiges und reichhaltiges Essen auf die Tische. Wenn man an Weihnachten mehr als genug zu essen im Haus hat, bedeutet das auch Überfluss für das kommende Jahr. Nach einer alten Tradition kommen zwischen sieben und zwölf Gerichte auf den Tisch. Traditionell nicht fehlen darf Schweinebraten mit Sauerkraut, Verivorst, Kartoffeln und Preiselbeermarmelade sowie süß-sauer eingelegter Kürbis. Auch hier merkt man die deutschen Wurzeln. Der Schweinebraten wird genau so zubereitet wie in Deutschland. Verivorst bedeutet übersetzt Blutwurst und ähnelt der bei uns bekannten Blut- oder Grützwurst. Sie wird mit ganzen Graupen und Speckstückchen hergestellt. Verivorst wird heute meistens fertig gekauft beim Fleischer oder im Supermarkt. Zuhause wird Verivorst dann in der Pfanne gebraten oder im Ofen mit Speckscheiben bedeckt gebacken. Außerdem buk man ein spezielles Weihnachtsbrot. Dieses Brot wurde auch an die Tiere im Stall gefüttert. Man braute Bier und Honigmet. Zum Nachtisch gibt es traditionell Pfefferkuchen oder Lebkuchen. Heute wird zwar kaum mehr privat Bier zuhause gebraut, aber viele Brauerein produzieren für Weihnachten stets ein spezielles Weihnachtsbier. Der 24. und 25. Dezember sind üblicherweise der Familie gewidmet, an den folgenden Tagen werden dann Verwandte und Freunde besucht.

Nachfolgend finden Sie einige sehr traditionelle estnische Weihnachtsrezepte. In der heutigen estnischen Küche machen sich aber auch sehr viele internationale Einflüsse bemerkbar. Die Gerichte sind wesentlich leichter. Immer mehr Familien gehen dazu über, auch zur Weihnachtszeit moderne Rezepte zu kochen. Verivorst, Sauerkraut und eine große Menge selbstgemachter Pfefferkuchen oder Lebkuchen gehören aber immer dazu.

Traditionelle estnische Weihnachtsrezepte

Rezept für estnisches Sauerkraut

Zutaten

  • 1 kg frisches Sauerkraut (kein pasteurisiertes oder Weinsauerkraut)
  • etwas Wasser
  • 30-50 g Butter
  • 1 g Zucker
  • 1-2 Äpfel
  • Pfeffer und Lorbeerblätter

Zucker im Topf karamellisieren, bis die Masse hellbraun ist. Sauerkraut, etwas Wasser, Butter, Loorbeer, Apfelstücke und etwas Pfeffer hinzufügen und bei mäßiger Hitze zugedeckt köcheln, bis Sauerkraut weich ist. Bei Bedarf nachwürzen oder heißes Wasser hinzufügen.

Rezept für Mulgikapsas - Sauerkraut nach Mulgi-Art

Zutaten

  • 1 kg Sauerkraut
  • 1/2 Glas Gerstengraupen
  • 500 g Bacon (durchwachsener Speck)
  • 2 Zwiebeln
  • Fett oder Öl zum Braten
  • Salz, Zucker, Pfeffer, Lorbeerblatt, Wasser

Sauerkraut, Graupen und Bacon werden mit Wasser übergossen und zugedeckt, mit Salz, Zucker, Pfeffer und Lorbeer abgeschmeckt und bei mittlerer Hitze zugedeckt geköchelt, bis der Sauerkraut und das Fleisch butterweich sind. Die zwiebeln werden klein geschnitten, mit in etwas Schmalz oder Öl goldbraun gebraten und dem Kohl hinzugefügt.

Mulgikapsas wird mit Schweinebraten, Salzkartoffeln und Saurer Sahne serviert.

Rezept für Rosolje - Rote-Bete-Hering-Salat

Das ist die estnische Variante des ursprünglich finnischen Heringssalates, das Rezept dafür finden Sie auf der Weihnachtsseite von Finnland.

Zutaten

  • 4 Kartoffeln
  • 2 Karotten
  • 2 rote Bete
  • 2-3 Äpfel
  • 1 Zwiebel
  • 2 Salzgurken
  • 100 g kalter Braten
  • 2 Heringsfilets
  • 1 Ei

  • Sauce:
  • 150 ml saure Sahne
  • 150 ml Mayonnaise
  • 1/2 TL scharfer Senf
  • Salz, Zucker

  • Zum Garnieren - nach Belieben
  • Gekochtes und gehacktes Eiweiß und Eigelb
  • Frühlingszwiebeln oder Schnittlauch
  • gekochte Karotten
  • Petersilie

Die Kartoffeln, Mohrrüben und Rote Beete weich kochen, gut abkühlen lassen und schälen.

Die Zutaten der Salatsoße miteinander verrühren.

Hering und Rote Beete in kleine Würfeln schneiden, mit der Salatsoße vermischen und ca. 1-2 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen. Die Eier hart kochen, abkühlen und schälen. Die Kartoffeln, Mohrrüben, Gurken, Fleisch und Äpfel in ca ½ cm große Würfeln schneiden. Die Zwiebeln und das Ei hacken.

Danach die Zutaten vorsichtig miteinander vermischen, die Rote-Beete-Mischung unterrühren und zum Ziehen kühl stellen.

Rezept-Quelle: Das Rezept erhielt ich mit freundlicher Genehmigung von Laura Balzer, Enterprise Estonia / Estonian Tourist Board, Hamburg

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