Weihnachten in Deutschland, Weihnachtsbräuche, Weihnachtsessen, deutsche Weihnachtsrezepte, Weihnachtsspezialitäten

Weihnachten in Deutschland: Weihnachtsbräuche, Weihnachtsessen, Weihnachtsrezepte

Weihnachtsbräuche in Deutschland

Die Advents- und Weihnachtszeit beginnt in Deutschland theoretisch am 1. Adventssonntag, dem ersten von vier Sonntagen bis zum Weihnachtsfest am 24. Dezember. Praktisch aber gibt es schon ab etwa September in den Supermärkten das erste Weihnachtsgebäck wie Lebkuchen, Spekulatius, Dominosteine und vieles mehr zu kaufen.

Traditionell aber ist die Adventszeit eigentlich eine besinnliche Zeit, die stille Zeit, in Bayern sagt man dazu die "stade Zeit". Adventszeit war früher im kirchlichen Sinn eine Fastenzeit, die erst am Heiligen Abend mit der Christmette endete. Advent bedeutet übersetzt Ankunft und man wartete früher in der Adventszeit auf die Ankunft des Herrn, die Geburt Jesu Christi. Eine Zeit, in der auch draußen alles ruht, der Winter hat Einzug gehalten, viele Tiere halten Winterschlaf, die Bäume und Sträucher sind blattlos und strecken ihre kahlen Äste in den oft grauen Himmel. Schneee deckte alles zu. Heute ist es etwas anders. Der Dezember ist ein umtriebiger Monat geworden, voller Hektik und Stress. Nicht nur im Arbeitsleben, zum Jahresende muss vieles noch fertiggestellt werden. Im privaten Bereich hetzen die Menschen durch die Geschäfte auf der Suche nach dem ultimativen Weihnachtsgeschenk, keiner darf vergessen werden. Von Besinnlichkeit und Ruhe weit und breit keine Spur.

Adventskranz

Der Adventskranz darf in deutschen Stuben im Dezember nicht fehlen. Ursprünglich aus Tannengrün gebunden und mit 4 roten Kerzen verziert, symbolisiert er das Warten auf Weihnachten. Der Adventskranz wurde 1839 von dem Theologen Johann Wichern erfunden für arme Kinder, die ungeduldig auf Weihnachten warteten. Auf einem Wagenrad brachte er Kerzen an und die Kinder durften jeden Tag eine neue Kerze anzünden. Sonntags gab es eine große Kerze, um den Tag des Herrn entsprechend hervorzuheben. Somit war dieser erste Adventskranz wohl auch der Vorläufer der Adventskalender. Heute gibt es Adventskränze in unzähligen Ausführungen, es muss nicht unbedingt Tannengrün sein, auch andere Materialien werden verwendet, der Kranz wird üppig dekoriert und die Farben variieren von Jahr zu Jahr, je nachdem, was gerade en vogue ist.



Adventskalender

Im klassischen Fall ist der Adventskalender für Kinder gedacht, um die Wartezeit bis Heiligabend zu überbrücken. Ein flacher Karton, vorne mit einem weihnachtlichen Motiv bedruckt und mit 24 vorgestanzten Türchen. Jeden Tag ab dem 1. Dezember darf ein Türchen geöffnet werden, dahinter versteckt sich ein Figürchen aus Schokolade. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es statt Schokolade nur kleine Bildchen hinter den Türen. Heute gibt es Adventskalender nicht nur für Kinder, sondern oft auch für Erwachsene. So gibt es beispielsweise einen Adventskalender, der 24 Flaschen verschiedener Biersorten enthält. In der Stadt Gengenbach in Baden-Württemberg gibt es einen ganz besonderen Kalender. Das Rathaus dort verfügt über 24 Fenster. Jeden Abend um 18.00 Uhr wird ein Fenster enthüllt und erhellt, bis dann am 24. Dezember mit dem letzten Fenster das ganze Rathaus mit seiner klassizistischen Fassade in hellem Glanz erstrahlt. Zu sehen sind alljährliche andere Motive, oft von bekannten Künstlern wie Marc Chagall oder Tomi Ungerer.

Christkindlbrief

Ein alter Brauch ist es auch, dass Kinder in der Adventszeit einen Brief an das Christkind schicken, in dem sie ihre Wünsche aufschreiben. Der Brief wird dann aufs Fensterbrett oder vor die Tür gelegt, dort holt ihn dann nachts ein Engel ab und bringt ihn zum Christkind. So erfüllen sich dann an Weihnachten Kinderträume. In Deutschland gibt es verschiedene Weihnachtspostämter wie beispielsweise Himmelpfort, Engelskirchen oder St. Nikolaus. Kinder, die ihre Christkindlbriefe dorthin schicken, bekommen auch eine Antwort.

Weihnachtsdekoration

Im Dezember wird in Deutschland dekoriert, was das Zeug hält. Weihnachtszeit ist Deko-Zeit. Geschäfte, Wohnhäuser, Straßen, draußen wird alles üppig mit Lichterketten, Lichtfiguren und ähnlichem dekoriert. Vor den Kaufhäusern stehen Weihnachtsmänner oder Nikoläuse mit roten Mänteln und Mützen. Und innen glitzert und glimmert es überall, aus den Lautsprechern quillt Weihnachtsmusik, bis die Ohren weh tun, es weihnachtet sehr...

Auch privat wird gerne emsig dekoriert, man hängt Weihnachtssterne auf, bastelt sie hin und wieder auch selbst aus Stroh und anderen Materialien, besonders Kinder haben ihren Spaß damit. Man stellt Weihnachtsgestecke in die gute Stube, hängt Lichtergirlanden in die Fenster, Kerzen leuchten überall.

Weihnachtspflanzen

Typisch deutsche Weihnachtspflanzen sind der Christstern und die Christrose. Die Farben des klassischen Christsterns, auch Weihnachtsstern oder Poinsettie, sind rot und grün, Symbole für Weihnachten. Die Christrose, auch Schneerose oder Weihnachtsrose, ist Pflanze mit wunderschönen großen weißen Blüten, die selbst Schnee und Eis trotzt und mit ihrer weißen Farbe natürlich ein Bild für den Winter ist.

Weihnachtsmärkte - Christkindlmärkte

Jede Stadt, jeder größere Ort hat mittlerweile einen Weihnachts- oder Christkindlmarkt. Sie dauern die ganze Vorweihnachtszeit an bis zum 24. Dezember. Auf dem Marktplatz stehen dann mal mehr, mal weniger Stände, passend dekoriert, die Weihnachtliches, Kitschiges aber auch Kunsthandwerkliches sowie kulinarische Weihnachtsspezialitäten anbieten. Zahlreiche Schausteller und Händler bieten ihre Waren an. Am bekanntesten dürfte - auch über die deutschen Grenzen hinaus - der Nürnberger Christkindlmarkt sein. Zahlreiche Veranstalter bieten Reisen dorthin an, große Menschenmengen sind die Folge, von weihnachtlicher Besinnlichkeit fehlt jede Spur. Auch der Münchner Christkindlmarkt ist sehr bekannt, er dürfte einer der ältesten und größten im Land sein, er datiert zurück bis ins Jahr 1310. Damals hieß er allerdings noch Nikolausmarkt. Ganz neu ist hier, dass es kostenlose historische Führungen gibt mit Informationen über Kultur und Tradition des Marktes, Geschichte und Geschichten rund um den Christkindlmarkt. Nur wenig jünger ist auch der Dresdner Striezelmarkt, er fand zum ersten Mal 1434 statt. Striezel ist die ursprüngliche Bezeichnung für ein Hefegebäck, heute ist damit der Christstollen gemeint, dessen Heimat Dresden ist.

Nikolaus

Der 6. Dezember ist der Namenstag des Heiligen Nikolaus von Myra, einem Bischof aus dem 4. Jahrhundert. Er gilt heute nicht nur als der Schutzpatron der Seefahrer, sondern insbesondere auch der Kinder. An seinem Gedenktag - in manchen Gegenden auch am Vorabend - kommt der Nikolaus ins Haus. Er fragt, ob die Kinder artig waren, manchmal müssen die Kleinen dann auch ein Gedicht aufsagen oder ein Lied singen und dann gibt es Geschenke. Mal kommt der Nikolaus als Bischof verkleidet, mal als Weihnachtsmann. Meistens aber ist er in Begleitung von Knecht Rupprecht, einem derben Kerl, der die Rute dabei hat für all diejenigen Kinder, die eben nicht artig waren. In Deutschland ist ihm sogar ein Gedicht gewidmet, das so mancher von uns noch in der Schule auswendig lernen musste. Theodor Storm schrieb es einst: "Von drauß' vom Walde komm ich her, ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr. Überall auf den Tannenspitzen, sah ich goldene Lichtlein blitzen. Und droben aus dem Himmelstor sah mit großen Augen das Christkind hervor. Und wie ich strolch' durch den finstern Tann, da rief's mich mit heller Stimme an: "Knecht Ruprecht", rief es, "alter Gesell´, heb deine Beine und spute dich schnell! Die Kerzen fangen zu brennen an, das Himmelstor ist aufgetan, alt und jung sollen nun von der Jagd des Lebens einmal ruhn, und morgen flieg ich hinab zur Erden, denn es soll wieder Weihnachten werden..."

Weihnachtsbäckerei

Ein typisch deutscher Brauch ist das Backen von Weihnachtsplätzchen, die regional unterschiedlich bezeichnet werden: Im Baden heißen sie Weihnachtsbrötle, in der Pfalz Weihnachtsgutsle, in Bayern Weihnachtsguatl oder Weihnachtsplatzerl, in Schwaben Weihnachtsbredla und in Niedersachsen ganz schlicht Weihnachtskekse. Es gibt wohl kaum einen Haushalt, in dem nicht wenigstens eine oder zwei verschiedene Sorten gebacken werden, oft nach alten Rezepten, von Generation zu Generation überliefert. Auch wer das ganze Jahr kaum backt, in der Adventszeit zieht es ihn in die Küche. Denn Weihnachten ohne Plätzchen ist für Deutsche fast undenkbar. Der Stolz jeder Hausfrau war es früher, möglichst viele verschiedene Sorten herzustellen. Meine Mutter buk oft bis zu 20 Sorten. In alten Zeiten wurden die Plätzchen im Advent gebacken, dann ordentlich verpackt und weggeräumt, man musste warten bis Weihnachten, bis man in den Genuss kam. Ich kenne es selbst noch so aus meinen Kindertagen. Heute dagegen verzehrt man die leckeren Plätzchen schon in der Vorweihnachtszeit an den Adventssonntagen zum Kaffee. Ganz klassische Sorten sind Vanillekipferl, Zimtsterne, Lebkuchen, Spekulatius, Anisgebäck, Früchtebrot, Aachener Printen, Nürnberger Lebkuchen sowie zahlreiche regionale Spezialitäten. Und natürlich darf der Dresdner Christstollen nicht vergessen werden, das schwere Hefegebäck mit reichlich Eiern, Zucker, Butter und vielen Rosinen sowie kandierten Früchten.

Bescherung

Die Bescherung findet in Deutschland traditionell am 24. Dezember, Heiligabend, statt. Meistens wird tagsüber von den Eltern, oft auch nur vom Vater, der Christbaum oder Weihnachtsbaum geschmückt. Dabei ist das Wohnzimmer oder das Zimmer, in dem die Bescherung dann stattfindet, verschlossen. Und die Kinder sind nervös und können es kaum erwarten, bis es endlich Abend wird. Dann wird erst mal zu Abend gegessen, meistens einfache oder schnelle Gerichte, danach gibt es die Bescherung. Nach der Bescherung setzt man sich gemütlich zusammen und genießt Plätzchen, Stollen, Glühwein oder Punsch. Und wer möchte, geht dann um Mitternacht in die Christmette.

Weihnachtsessen in Deutschland

Das Essen an Heiligabend ist oft von Familie zu Familie und von Region zu Region ganz unterschiedlich. Bei manchen gibt es am 24. Dezember abends Karpfen, bei anderen Würstchen mit Kartoffelsalat. Eines haben aber fast alle gemeinsam, sie sind kein üppiges Festessen. Dies ist dann den nächsten beiden Tagen vorbehalten, dem ersten und zweiten Weihnachtstag. In Deutschland sind sowohl der 25. als auch der 26. Dezember Feiertage. An diesen Tagen wird aber üppig geschlemmt und aufgetischt, was Küche, Keller und Portemonnaie hergeben.

Der klassische deutsche Weihnachtsbraten ist meistens eine Gans oder eine Ente, auch Pute oder Fasan sind möglich. Traditionelle Beilagen sind Rotkohl und Klöße. Der Braten wird regional unterschiedlich mal deftig, mal fein gefüllt. Doch tendiert man heute auch dazu, die Menus an diesen Tagen leichter zu gestalten in Form von leckeren Fischgerichten. Auch Wild oder Lamm haben zwischenzeitlich ihre Fans gefunden. Nachmittags zum Kaffee werden dann die Weihnachtsplätzchen gereicht, oft aber auch üppige Weihnachtstorten mit viel Sahne, Marzipan und dergleichen mehr. Und wenn es draußen klirrend kalt ist, wärmt man sich gerne mit einem oder mehreren Gläsern Punsch oder Glühwein.

Deutsche Weihnachtsrezepte

Rezept für Golatschen

Golatschen sind ein altes Familienrezept, das ich von meiner Mutter geerbt habe.

Zutaten:

  • 125 g Butter
  • 125 g Butterschmalz
  • 125 g Zucker
  • 3 Eigelb
  • 350 g Mehl
  • Aprikosenmarmelade für die Füllung

Zubereitung:

Zunächst das zimmerwarme Butterschmalz mit der Butter, Zucker und den Eigelb schaumig rühren. Anschließend das Mehl unterkneten. Aus dem Teig eine Rolle formen, Durchmesser ca. 3 cm. Davon kleine etwa 1 cm dicke Scheiben abschneiden, zu Kugeln formen, auf ein Backblech setzen und etwas flach drücken. Auf ausreichend Abstand achten, da die Plätzchen etwas auseinanderlaufen. Dann in jedes Plätzchen mit einem Kochlöffelstiel eine Vertiefung drücken und diese mit Aprikosenmarmelade füllen. Anschließend goldgelb backen.

Bei dieser Variante wird die Marmelade durch das Mitbacken etwas zäh, schmeckt aber sehr lecker

Als Alternative kann man die Marmelade auch erst nach dem Backen einfüllen, dann bleibt sie cremig. Am besten ausprobieren, welche Variante Ihnen am besten schmeckt.

Rezept für Zitronenherzen

Dies ist ebenfalls ein altes Rezept aus meiner privaten Sammlung.

Zutaten:

  • 3 Eigelb
  • 120 g Zucker
  • Vanillezucker
  • einige Tropfen Zitronenaroma
  • 1 Messerspitze Backpulver
  • 200-250 g gemahlene Haselnüsse

  • Glasur:
  • Puderzucker
  • Zitronen- oder Limettensaft
  • abgeriebene Schale von einer unbehandelten Zitrone oder Limette

Zubereitung:

Eigelb, Zucker, Vanillezucker und Zitronenaroma schaumig rühren, Mehl, Backpulver und soviel Haselnüsse hinzufügen, dass ein fester Teig entsteht. Anschließend den Teig ca. 0,5-1 cm dick auswellen und kleine Herzen ausstechen. Auf ein Backblech legen und ca. 10-15 Min. bei 180°C Umluft backen. Nach dem Backen erkalten lassen und mit der Glasur aus Puderzucker und Zitronen- oder Limettensaft überziehen. Die abgeriebene Zitronenschale als Deko auf die noch feuchte Glasur streuen. Alternativ kann man man die geriebene Schale auch schon in den Zuckerguss geben.

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