Weihnachten in Bolivien: Weihnachtsbräuche, Weihnachtsessen, Weihnachtsrezepte, Weihnachtsspezialitäten

Weihnachten in Bolivien: Weihnachtsbräuche, Weihnachtsessen, Weihnachtsrezepte

Weihnachten in Bolivien

Weihnachten in Bolivien wird nicht überall in der gleichen Weise gefeiert, in Stadt und Land sind die Unterschiede sehr groß. So feiert das Volk der Aymara und Quechua an Weihnachten das Fest der Sommersonnenwende. Für diesen Anlass werden Geschenke gebacken, die "Cositas" - übersetzt bedeutet das kleine Sachen. Diese Cositas erhalten aber nicht etwa die Kinder, sondern sie werden der Pachamama, der großen Mutter Erde geopfert. Pachamama ist im Glauben der Aymara und Quechua die Göttin, die allen Geschöpfen auf der Erde das Leben schenkt und sie nährt und erhält. Cositas sind kleine Gebäckstücke aus Teig, die in vielen verschiedenen Formen gebacken werden.

In der Stadt dagegen ist Weihnachten - ähnlich wie bei uns - ein traditionelles Familienfest. Man trifft sich, sitzt gemütlich beisammen und isst leckere Dinge. Die Vorbereitungen für Weihnachten beginnen bereits am ersten Dezember. Jetzt wird in Bolivien bereits der Weihnachtsbaum geschmückt, nicht erst wie bei uns an Heiligabend. Denn ein Weihnachtsbaum gehört auch in Bolivien unbedingt zum Weihnachtsfest dazu. Wichtig ist in Bolivien auch die Weihnachtskrippe, die als “Nacimiento del Niño” (Geburt des Kindes) bezeichnet wird. In der zweiten Dezemberwoche wird mit dem Bau der Krippe begonnen, aus Farnkraut, Stroh und Holz wird der Stall nachgebaut, die üblichen Figuren Maria, Josef, Hirten, Tiere und die Heiligen drei Könige werden hineingestellt. Nur das Jesuskind in der Krippe fehlt. Das wird erst am Heiligen Abend um Mitternacht in die Krippe gelegt. Ein sehr schöner Brauch ist es, dass man diese Weihnachtskrippe nicht selbst kaufen darf, das soll Unglück bringen. Wichtig ist, dass man die Krippe von Freunden oder Familienmitgliedern geschenkt bekommt. Nur so bringt sie Glück für das kommende Jahr. In dieser Beziehung sind die Bolivianer sehr abergläubisch und glauben fest an die überlieferten Bräuche.

Einen Weihnachtsmann oder gar einen Adventskalender gibt es in Bolivien nicht!



In Sucre, der konstitutionellen Hauptstadt Boliviens, wird ein weiterer Brauch gepflegt. Dort finden sich die Kinder in Gruppen zusammen um von  Haus zu Haus zu ziehen und zu erfragen, ob es eine Weihnachtskrippe gibt. Wird dies bejaht, treten die Kinder ein, tanzen und singen vor der Krippe und bekommen dafür ein paar Süßigkeiten. Vom 25. Januar bis 6. Januar können die Krippenbesitzer dann mit dem Jesuskind aus der Krippe in die Kirche zu gehen, um es dort vom Pfarrer segnen zu lassen. Der alte Brauch will es auch, dass man immer nur ein Jesuskind besitzen darf. Denn es heißt, die Jesuskinder sind sehr eifersüchtig und würden sich sonst untereinander streiten.

In der Heiligen Nacht wird dann um Mitternacht gegessen und anschließend gehen alle zur Mitternachtsmesse in die Kirche. Danach sitzen die Erwachsenen oft noch bis in die frühen Morgenstunden gemütlich zusammen. Die Kinder dagegen gehen sofort schlafen, doch sie sind schon sehr aufgeregt und freuen sich auf den nächsten Tag, denn erst am Morgen des 25. Dezembers gibt es die ersehnten Geschenke.

Weihnachtsessen in Bolivien

Auch in Bolivien kennt man verschiedene Leckereien speziell für die Weihnachtszeit und Weihnachten.

In der Woche vor Heiligabend werden Körbchen verteilt, die Canastones. Diese Körbchen werden häufig von Firmen an ihre Mitarbeiter verteilt. Größe und Inhalt der Körbe varieren mit der Firmengröße. Große Firmen verteilen durchaus auch mal Körbchen mit Gutscheinen. Meistens sind sie wohl gefüllt mit typischen Weihnachtsspezialitäten wie Panetón, einer Flasche Sidra - eine Art Apfelwein - oder Sekt, Schokolade, Kekse, Dosenmilch, Marshmellows oder manchmal auch ein Hühnchen. Diese Dinge haben keinen Symbolgehalt, man möchte seinen Mitarbeitern an Weihnachten etwas Gutes tun und diese Dinge sind zur Weihnachtszeit eben besonders beliebt. Panetón ist der in ganz Bolivien heiß geliebte reichhaltige Weihnachtskuchen mit Rosinen und Nüssen. Panetones gehen in der Weihnachtszeit in den Bäckereien weg wie die warmen Semmeln. Für Bolivien sind Panetones das Äquivalent zu unseren deutschen Christstollen.

Am Heiligen Abend selbst wird ganz klassisch die Picana zubereitet, ein wichtiger Bestandteil des Weihnachtsessens. Man isst ihn kurz vor Mitternacht, bevor man dann in die Mitternachtsmesse geht. Picana ist eine Art Eintopf mit verschiedensten Fleischsorten, Kartoffeln und Choclo, also Mais. Der Picana kann bis zu fünf verschiedene Fleischsorten beinhalten, doch die Zusammensetzung variiert, jede Familie hat je nach Geschmack, Vorlieben und Geldbeutel ihr eigenes Rezept dafür.

Am Morgen des 25. Dezember gibt es das traditionelle Weihnachtsfrühstück: Buñuelos und heiße Schokolade. Das süße Gebäck mit feinem Anis-Geschmack, hergestellt aus Mehl, Wasser und Milch, wird in heißem Fett fritiert. Gleichzeitig köchelt auf der Herdplatte neben dem Frittiertopf die dicke heiße Schokolade. Wenn alles fertig ist, heißt es einfach nur noch genießen! So mancher tunkt auch gerne statt der Buñuelos ein Stück Paneton in seine heiße Schokolade. Danach erhalten die Kinder ihre Geschenke. Im Lauf des Vormittags bricht man dann auf, um Freunden und Verwandten einen Weihnachtsbesuch abzustatten oder einen gemütlichen Spaziergang mit der ganzen Familie zu machen. Das Mittagessen besteht dann meistens aus den aufgewärmten Resten des Picana. Auch der Picana schmeckt aufgewärmt ungleich viel besser als am Vorabend frisch gekocht. Der Rest des Weihnachtstages wird ruhig und gemütlich verbracht.

Neujahr in Bolivien

Hier gibt es einen ähnlichen Brauch wie in Spanien. Vermutlich ist es auch in Bolivien ein koloniales Erbe der Spanier. Exakt um Mitternacht verzehrt man 12 Weintrauben, mit jedem Glockenschlag eine Traube. Und jede Traube symbolisiert einen Wunsch für die zwölf Monate des kommenden neuen Jahres.

Ein anderer typischer Brauch ist es, in der Silvesternacht rote oder gelbe Unterwäsche amzuziehen. Rot steht natürlich für die Glück in der Liebe und Gelb für finanziellen und beruflichen Erfolg. In der Zeit vor Silvester kann man rote, gelbe oder auch goldene Unterwäsche in vielen Läden kaufen.

Glück soll es auch bringen, Schlag Mitternacht mit einem leeren Reisekoffer eine Treppe hochzugehen. Wer gerne reisen möchte im Neuen Jahr, dem soll mit dieser symbolischen Aktion der Wunsch in Erfüllung gehen. Und wer in der Silvesternacht in sein Glas Sekt einen Ehering wirft und es austrinkt, dem soll bei einer Eheschließung im neuen Jahr nichts mehr im Wege stehen.

Der letzte Tag und die letzte Nacht des alten Jahres ist immer auch eine lukrative Zeit für Yatiris. Das sind die bolivianischen Heiler und Wahrsager. Die Frage "was bringt die Zukunft und das neue Jahr für mich" ist wohl eine Frage, die Menschen überall auf der Welt beschäftigt, auch in Bolivien.

Bolivianische Weihnachtsrezepte

Rezept für bolivianische Panetones

Zutaten:

  • 500 g Weizenmehl
  • 125 g Zucker
  • 40 g Hefe
  • 200 ml lauwarme Milch
  • 1 Ei
  • 4 Eigelb
  • 150 g zerlassene Butter oder Margarine
  • 2 Päckchen Vanillezucker
  • 100 g Orangeat
  • 1 Packung kandierte Kirschen
  • 175 g Rosinen
  • abgeriebene Schale von zwei ungespritzten Zitronen
  • Puderzucker zum Bestäuben
  • 1/2 TL Salz
  • Fett zum Einfetten der Kuchenform, Backpapier, 2 Büroklammern

Zubereitung

175°C (Umluftherd: 160°C) vorheizen

Mehl und Zucker in eine Schüssel geben, eine Mulde in die Mitte drücken, Hefe hineinbröckeln. Mit Zucker, 100 ml lauwarmer Milch und etwas Mehl verrühren, an einem warmen Ort 15 Min. gehen lassen. Ei, Eigelb, Butter oder Margarine, Salz, Zitronenschale, Vanillezucker und die restliche Milch hinzugeben, mit dem Knethaken alles gut durchkneten, bis ein glatter Teig entsteht. Den Teig zugedeckt bis zur doppelten Größe gehen lassen.

Kirschen klein hacken, mit Orangeat und Rosinen in den Teig kneten.

Springform am Boden gut einfetten, einen doppelt gelegten Streifen Backpapier (60 x 15 cm) um den Innenrand der Form stellen; die Enden mit den Büroklammern feststecken. Teig einfüllen und noch einmal 20 Min. gehen lassen. Teigoberfläche über Kreuz einschneiden und Panetón etwa 60-70 Min. backen. Nach dem Backen mit dem Puderzucker bestreuen.


Rezept für bolivianische Picaña

Zutaten:

  • 1/2 kg Kalbsbrust
  • 1/2 kg Schweinerippe
  • 1/2 kg Huhn
  • 200 ml Weißwein
  • 200 ml Bier
  • 2 Zwiebeln
  • 2 Möhren
  • 2 Rüben
  • 400 g grüne Bohnen
  • Knoblauch, Chilischoten, Rosinen, Lorbeerblätter, Salz, Pfeffer, Kümmel
  • 2 Maiskolben
  • 6 Kartoffeln

Zubereitung

Das Fleisch in kleine Stücke schneiden und für 2 Stunden in der Mischung aus Wein und Bier ruhen lassen. Anschließend das Fleisch kurz anbraten. Das Gemüse ebenfalls klein schneiden, zusammen mit dem angebratenen Fleisch in der Marinade kochen und mit den Gewürzen pikant abschmecken. Mit gekochten, aufgeschnittenen Maiskolben und Kartoffeln servieren.


Rezept-Quelle: Die Rezepte erhielt ich mit freundlicher Genehmigung von Raissa Theres Eichert, Botschaft des Plurinationalen Staates Bolivien in Berlin

Zum Seitenanfang



fernwehculinarium.de © 2013